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Landkino-Vorführung „Das schweigende Klassenzimmer“

29. April | 19:30

Stalinstadt, im Jahr 1956: Die beiden Abiturienten Theo Lemke und Kurt Wächter kehren von dem Kinobesuch Liane, das Mädchen aus dem Urwald in West-Berlin nach Stalinstadt zurück. In der Wochenschau haben sie Bilder des Volksaufstands in Ungarn gesehen. Zurück in der DDR werden sie sich der unterschiedlichen Berichterstattung west- und ostdeutscher Medien bewusst. Die Wochenschau und der RIAS, den sie heimlich bei Edgar, dem schwulen Großonkel ihres Mitschülers und Freundes Paul, hören, berichten positiv über die bürgerlich-demokratische Bewegung, die DDR-Medien dagegen pro-sowjetisch und verurteilen den Aufstand. Nachdem der RIAS von einer Schweigeminute des europäischen Parlamentes sowie vom Tod des bekannten Fußballspielers Ferenc Puskás berichtet hat (letztere, wie sich später herausstellt, eine Falschmeldung), schlägt Kurt vor, eine symbolische Schweigeminute für die Opfer abzuhalten. Die Abiturklasse steht bis auf den linientreuen Erik, Stiefsohn des örtlichen Pfarrers und Sohn eines im KZ Sachsenhausen umgekommenen roten Frontkämpfers, geschlossen dahinter. Die Schweigeminute fällt in die Unterrichtsstunde des Geschichtslehrers Mosel, der zuerst annimmt, das Manöver richte sich gegen ihn. Als Erik zugibt, dass es sich um eine Form des Protests handelt, meldet der Lehrer den Vorfall bei Rektor Schwarz.

Der noch junge Rektor versucht, den Vorfall herunterzuspielen, gleichzeitig verteidigt er die Idee des Sozialismus. Am Abend trifft sich die gesamte Klasse bei Edgar, wo sie über den RIAS erfahren, dass die sowjetischen Truppen kurzfristig abgezogen sind und Ungarn eine neue Regierung erhalten soll. Gleichzeitig droht die symbolische Schweigeminute weiter untersucht zu werden. Edgar lobt die Jugendlichen als „Freidenker“, sagt aber auch, dass sie deshalb jetzt „Staatsfeinde“ seien. Theo schlägt vor, sich herauszureden, indem alle angeben, dass die Aktion nur an den Tod von Ferenc Puskás erinnern sollte. In geheimer Abstimmung entscheidet sich die Mehrheit – zur Enttäuschung von Kurt – für Theos Notlüge. Die Gruppe kann später auch den nicht anwesenden Erik von ihrem Vorhaben überzeugen.

Am nächsten Tag werden Lena, Erik und Theo nacheinander zum Rektor zitiert, wo sie von der Kreisschulrätin Frau Kessler befragt werden. Alle drei halten sich aber trotz des manipulativen Verhaltens von Frau Kessler an die Notlüge. Als Theo den Lehrern „Gestapo-Methoden“ vorwirft, erhält er einen Tadel, und die gesamte Klasse muss öffentlich zum Appell antreten. Kurts manipulativer Vater Hans, selbst Stadtratsvorsitzender, versucht seinen Sohn ohne Erfolg davon zu überzeugen, dass hinter dem Ungarn-Aufstand die Faschisten stecken. In Absprache mit dem Schulrektor nimmt Theos Vater Hermann seinen Sohn für einen Tag aus der Schule, um ihm die schwere Arbeit am Hochofen zu zeigen. Die Gruppe, die sich bei Edgar einfindet, um RIAS zu hören, wird immer kleiner. Zum Schluss kommen nur noch Kurt, Lena und Paul. Kurt und Lena, die eigentlich mit Theo zusammen ist, kommen sich dabei näher und küssen sich, was heimlich von Paul beobachtet wird.

Die Situation spitzt sich zu, als Volksbildungsminister Fritz Lange in Stalinstadt erscheint. Dieser verurteilt die Aktion als konterrevolutionären Akt und verlangt von der Klasse, den Rädelsführer zu benennen. Sollte das nicht geschehen, droht er den Schülern, sie in der gesamten DDR nicht zum Abitur zuzulassen. Erik wird von Frau Kessler unter Druck gesetzt, woraufhin er Edgar als Quelle für das Hören des RIAS benennt. Edgar wird daraufhin von der Volkspolizei in Begleitung von Frau Kessler verhaftet. Paul rächt sich an Erik, indem er ihn in der Kirche niederschlägt. Kurt will sich als Rädelsführer bekennen, was ihm aber von Theo ausgeredet wird. Die Eltern der Schüler überlegen, eine Gegendarstellung zu entwerfen, während Theos Vater beim Volksbildungsminister vorspricht, aber als früherer Aufständler nicht ernst genommen wird. Lena trennt sich von Theo, da sie seine ständigen Ausreden leid ist. Frau Kessler befragt nochmals alle Schüler einzeln, wobei sie den Druck auf Erik erhöht. Sie droht, die Wahrheit über seinen Vater, den die Rote Armee nach der Befreiung im KZ Sachsenhausen als SS-Helfer gehängt hatte, publik zu machen. Erik, der die wahre Vergangenheit seines Vaters nicht kannte, verrät Kurt und erleidet während des Schießunterrichts einen Nervenzusammenbruch. Er schießt mit dem Gewehr auf den Lehrer, einen alten Nazi, und verletzt ihn. Erik rennt in die Kirche und bedroht seine Mutter mit dem Gewehr, kann aber von Theo, Kurt und Paul überwältigt werden. Eriks Mutter gibt ihm die Wahrheit über den schwachen Vater preis, während Erik seinen Verrat an Kurt gesteht.

Nach dem Schussangriff von Erik erscheint Frau Kessler bei Kurt und seinem Vater. Sie stellt in Aussicht, die gesamte Schuld auf Erik abzuwälzen, da diesen bereits eine Gefängnisstrafe von zehn Jahren erwarte. Kurt konfrontiert seinen Vater mit dem Foto von Eriks gehängtem Vater, auf dem er ebenfalls zu sehen ist. Während sein Vater ihn anschreit, verzweifelt Kurt an der Passivität seiner Mutter. Sie rät ihm aber, noch in der folgenden Nacht aus der DDR zu fliehen. Kurt informiert Theo über seine geplante Flucht über die Sektorengrenze von Ost- nach West-Berlin. Er wird jedoch im ersten Morgenzug von der Volkspolizei bei der Kontrolle an der Grenze zu Ost-Berlin festgenommen. Kurts Vater erscheint auf dem Kontrollpunkt in Königs Wusterhausen, belügt die Polizisten und verhilft seinem Sohn so zur Flucht. Da Kurt mit seiner „Republikflucht“ eingestanden habe, der Rädelsführer gewesen zu sein, verlangt Frau Kessler von jedem einzelnen Schüler, ihn als solchen zu identifizieren. Als Theo und dann Paul dies verweigern und angeben, dass die Mehrheit dafür gestimmt habe, werden sie von Frau Kessler sofort der Schule verwiesen. Die übriggebliebenen Schüler, beginnend mit Lena, stehen nun nacheinander auf und behaupten, es sei jeweils ihre Idee gewesen, woraufhin Kessler sie alle der Schule verweist. Auf Theos Rat hin nutzen die Schüler bis auf vier den Festtagsverkehr über den Jahreswechsel 1956/57 zur Republikflucht nach West-Berlin. Im Abspann wird mitgeteilt, dass die Flüchtlinge ihr Abitur im Westen ablegten.

4,00EUR

+49 (0)175 5214559

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